B.Che.1302 (erster Teil, SoSe 2011, 6Cr)
Voraussetzungen:
Vorlesung und Proseminar bauen unmittelbar auf dem Modul B.Che.1301
(Einführung in die Physikalische Chemie) auf, ebenso wird die Beherrschung der
mathematischen Grundlagen aus dem Modul B.Che.1002 (Mathematik für Chemiker I)
vorausgesetzt.
Die Kurztests finden jeweils am Freitag vor Proseminar und Vorlesung
(10.00 Uhr) im Hörsaal I statt.
Anmeldung/Einteilung:
Die Veranstaltung beginnt am 15.4. ab 10.15 Uhr im Hörsaal I.
Im StudIP kann man sich als
Teilnehmer/in registrieren und einen Übungsgruppen- und
Zusatzseminargruppenterminwunsch angeben
(derzeitige Optionen Mo 8-10, Mo 14-16, Mi 8-10 Uhr).
Eine Vorbesprechung insbesondere zur Gruppeneinteilung findet
am 11.4. ab 8.15 Uhr im Hörsaal IV statt.
Vorlesung: Chemisches Gleichgewicht
Die Vorlesung (2 SWS, Fr 11.15-13.00 Uhr, aber zu Gunsten/Lasten des
vorausgehenden Proseminars je nach Bedarf auch kürzer oder länger) knüpft an
das Modul B.Che.1301
im WS 2010/11 an.
Ziel ist die Vermittlung der wichtigsten Grundlagen der klassischen
Thermodynamik, aber auch der Fähigkeit, mit thermodynamischen Tabellenwerken
selbständig arbeiten zu können.
Angegebene Daten sind vorläufig.
Am 3.6. entfällt die Vorlesung wegen der Bunsentagung (Kompensation war am 7.2.).
- Weitere Anwendung des Ersten Hauptsatzes der Thermodynamik
1.1. Expansion von Gasen (15.4.)
Ideale Gase: freie Expansion ins Vakuum, zweites Gesetz von Gay-Lussac,
isotherme reversible Expansion, maximale Arbeit, adiabatische Expansion gegen
äußeren Druck, adiabatisch-reversible Expansion, Poissonsche Adiabatengleichung,
Adiabaten und Isothermen; reale Gase: freie Expansion ins Vakuum, Experiment von
Joule, isenthalpe Expansion, Joule-Thomson-Experiment, Joule-Thomson-Koeffizient,
Lindeverfahren
- Zweiter Hauptsatz der Thermodynamik (29.4.)
Begrenzte Aussagekraft des ersten Hauptsatzes, Richtung von chemischen Prozessen
2.1. Formulierungen des zweiten Hauptsatzes
Spontane Vorgänge, Irreversibilität, perpetuum mobile zweiter Art, Entropie als
Zustandsfunktion, Entropiedefinition
2.2. Entropieänderungen bei thermodynamischen Prozessen
Isotherme reversible Expansion, irreversible Expansion ins Vakuum,
Erwärmung eines Gases, Phasenübergänge
2.3. Wärmekraftmaschinen (6.5.)
Carnotscher Wirkungsgrad, Carnotscher Kreisprozess, ideales Gas und reale
Systeme, thermodynamische Temperaturskala
- Kombination von erstem und zweitem Hauptsatz (13.5.)
Aussagen über isolierte und nicht-isolierte Systeme, Clausiussche
Ungleichung
3.1. Thermodynamische Gleichgewichtsbedingungen
Helmholtz- oder freie Energie A, maximale isotherme Nutzarbeit,
Gibbsenergie oder freie Enthalpie G, maximale isotherm-isobare
Nutzarbeit
3.2. Fundamentalgleichungen der Thermodynamik und thermodynamische Potentiale
Energetische Fundamentalgleichung, Maxwell-Beziehungen, thermodynamische Potentiale,
Herleitung offengebliebener thermodynamischer Zusammenhänge
3.3. Temperaturabhängigkeit und dritter Hauptsatz (20.5.)
Molwärmen, Gleichverteilungssatz, Gase, Flüssigkeiten, Festkörper, Regel von
Dulong-Petit, latente Wärmen, Kirchhoffsches Gesetz, Nullpunkt der Energie und der
thermodynamischen Potentiale, Temperaturabhängigkeit der Entropie, Bedeutung von
absoluten Entropien, Beispiel HCl, Nernstsches Wärmetheorem, dritter Hauptsatz,
Triebkraft chemischer Reaktionen aus kalorimetrischen Messungen, Planck-Funktion,
Gibbs-Helmholtz-Gleichung
3.4. Druckabhängigkeit (27.5.)
Druckabhängigkeit der Gibbsenergie, kondensierte Materie, Gase, chemisches Potential,
reale Gase, Fugazität, Fugazitätskoeffizient, Standardzustand als hypothetischer Zustand
3.5. Stoffmengenabhängigkeit
Offene Systeme, Erweiterung der Fundamentalgleichungen, Reaktionslaufzahl,
Gleichgewichtsbedingung für chemische Reaktionen
- Chemisches Gleichgewicht in der Gasphase
Massenwirkungsgesetz, Gleichgewichtskonstante
4.1. Berechnung von Gleichgewichtszusammensetzungen
Stoffbilanzen, Kp, Kf,
Kc, Kx
4.2. Berechnung von Gleichgewichtskonstanten
Tabellenwerke, Referenzzustand, JANAF-Tabellen, Beispiele
4.3. Gleichgewichtsbeeinflussung
Katalysator, Temperatur, Druck, Prinzip des kleinsten Zwanges
- Phasengleichgewicht in Einstoffsystemen (10.6.)
5.1. Stabilität von Phasen
Gleichgewichtskriterium, metastabile Phasen, μ/T-Diagramm, Tripelpunkt
5.2. Klassifikation von Phasenübergängen
Phasenübergang 1. Ordnung, Cp-Singularität, Phasenübergang 2.
Ordnung nach Ehrenfest und nach Tisza (λ-Übergang), Beispiele
5.3. Koexistenzkurven
Clapeyron-Gleichung, Clausius-Clapeyron, Pictet-Trouton, Ausnahmen
5.4. Grenzflächenthermodynamik
Erweiterung der Fundamentalgleichungen, Grenzflächenspannung, Oberflächenspannung
5.5. Dampfdruck kleiner Tröpfchen
Kelvingleichung, Übersättigung
- Phasengleichgewicht in Mehrstoffsystemen (17.6.)
6.1. Partielle molare Größen
Partielles Molvolumen, Satz von Euler, Gibbs-Duhem-Beziehung, partielle molare
Gibbsenergie, Maxwell-Beziehungen
6.2. Thermodynamik von Mischungen
Freie Mischungsenthalpie, Mischungsentropie, ideale Mischung, reale Mischung,
Exzessgrößen
6.3. Bezugszustände für das chemische Potential
Chemisches Standardpotential, Konzentrationsterm, Realkorrektur, Aktivitätskoeffizient,
Aktivität, Bezugszustand, Konventionen, Reinstoff und unendliche Verdünnung,
Konzentrationsskalen, Einfluss auf das chemische Gleichgewicht
6.4. Kolligative Eigenschaften (24.6.)
Osmose, van't Hoff-Gleichung, Virialentwicklung
6.5. Phasenregel von Gibbs
Komponenten, Freiheitsgrade, Tripel- und Quadrupelpunkte, Beispiele
6.6. Phasendiagramme
Entmischung von Flüssigkeiten, kongruent schmelzende Verbindungen, ternäre Systeme,
Dreieckskoordinaten, Nernstscher Verteilungssatz
- Elektrochemische Zellen (1.7.)
7.1. Terminologie und Typen
Galvanische Zellen, Elektrolysezellen, Halbzellen mit und ohne Überführung
7.2. Elektrochemisches Potential
Elektromotorische Kraft, elektrochemisches Gleichgewicht, Vorzeichenkonventionen
7.3. Nernstsche Gleichung und Spannungsreihe
Standardwasserstoffelektrode, Mehrelektronenübergänge, Konzentrationsketten
7.4. Anwendungen
Batterien, Akkumulatoren, Brennstoffzellen, elektrochemische Synthesen
- Chemisches Gleichgewicht in Mehrphasensystemen (8.7.)
Phasengleichgewicht und chemisches Gleichgewicht, Überbestimmtheit
8.1. Heterogene fest-gas Reaktionen
Technische Bedeutung, Beispiel Boudouard-Gleichgewicht, Kalkbrennen, Berechnung der
Gleichgewichtskonstante
8.2. Heterogene fest-flüssig Reaktionen
Auflösung eines Festkörpers, Löslichkeitsprodukt
- Systematische Thermodynamik und Rückblick (15.7.)
9.1. Postulate
Gleichgewichtszustände, Charakterisierung durch extensive Zustandsgrößen,
Entropiemaximumprinzip, Entropie- und Energieform der Fundamentalgleichung,
U(S)-Verlauf
9.2. Intensive Größen und Gleichgewicht
Potentiale, thermisches, mechanisches und chemisches Gleichgewicht, energetische
Fundamentalgleichung in differentieller und integraler Form, Gibbs-Duhem-Beziehung
9.3. Legendre-Transformation
Intensive Größen als abhängige Variablen, Informationsverlust bei Differentialbildung,
Legendre-Transformation, Minimal- und Maximalprinzipien für Gleichgewicht
9.4. Maxwell-Beziehungen
Satz von Schwarz, mnemotechnisches Diagramm
9.5. Phasen- und Reaktionsgleichgewichte
Analogien zwischen Stoffaustausch und Stoffumwandlung
Literaturempfehlung
Ein gutes allgemeines Lehrbuch der Physikalischen Chemie (Atkins, Berry/Rice/Ross,
McQuarrie/Simon, Wedler, Alberty/Silbey, Moore/Hummel, ...) reicht mehrheitlich aus.
Bei angelsächsischen Autoren ist in der Regel die englischsprachige Originalausgabe zu
empfehlen (Preis, Aktualität, wichtige Sprachübung).
Einige Monographien zur Thermodynamik (subjektive Auswahl): Rau/Rau, Chemische
Gleichgewichtsthermodynamik,
Vieweg, ISBN-13: 978-3540670650 (anschauliche Einführung, besonders empfehlenswert, wenn
man Schwierigkeiten mit dem Stoff hat); Reich, Thermodynamik, Wiley-VCH, ISBN-13:
978-3-527-28266-1 (anschauliche Einführung); Weingärtner, Chemische Thermodynamik,
Teubner, ISBN-13: 978-3519035343 (kompakte und einfache Einführung, auch zum Wiederholen
des Vorlesungsstoffes gut geeignet); Denbigh, Prinzipien des chemischen Gleichgewichts,
Steinkopff, 1974 (Klassiker, evtl. vergriffen); Kortüm/Lachmann, Einführung in die
chemische Thermodynamik, 1981, VCH, ISBN 3-527-25881-7; Sommerfeld, Thermodynamik
und Statistik, 1988, Harri Deutsch, ISBN 3-87144-378-6 (Klassiker, auch für das
Proseminar); Callen, Thermodynamics and an Introduction to Thermostatistics,
Wiley, 2. Auflage nur hardcover und relativ teuer, ISBN-13: 978-0471862567 (ausgezeichnete
sytematische Einführung, besonders bei vertiefter Beschäftigung mit den grundlegenden
Zusammenhängen); und als Repetitorium: W. Schneider, Repetitorium Thermodynamik,
1996, ISBN 3-486-23844-2 oder W. Schreiter, Chemische Thermodynamik,
2010, ISBN 978-3-11-022254-8.
Wer keine Berührungsangst vor gelegentlichen ingenieurwissenschaftlichen
Passagen hat, findet in Labuhn/Romberg, Keine Panik vor Thermodynamik,
5. Auflage, ISBN 678-3-8348-1488-3, Vieweg+Teubner (2011) amüsante Erläuterungen.
Ein nützliches Nachschlagewerk zu Größen, Einheiten Symbolen und
Konventionen in der Physikalischen Chemie ist:
E. R. Cohen et al., Quantities, Units and Symbols in Physical Chemistry, 3rd
ed. (2007), RSC, ISBN-13: 978-0854044337, ca. GBP 30.
Proseminar: Grundlagen der Statistischen Thermodynamik (SoSe 2011)
Das Proseminar (1 SWS, direkt vor der Vorlesung, ca. 10.15-11.00 Uhr, aber zu
Gunsten/Lasten der nachfolgenden Vorlesung je nach Bedarf auch kürzer oder länger)
ergänzt und erklärt die Phänomene der klassischen Thermodynamik durch molekulare,
statistische Betrachtungen und Berechnungen. Ziel ist die Vorhersage von stofflichen
Gleichgewichten aus spektroskopisch messbaren Moleküleigenschaften.
Proseminar und Vorlesung bilden eine Einheit und es werden zahlreiche
Querbezüge hergestellt.
- Energieniveaus der Moleküle (15.4.)
Translation, Rotation, Schwingung, elektronische Anregung, relative Größenordnung
- Verteilungen (29.4.)
Verteilungsfunktion, Würfelanalogie, Mikrozustand, Makrozustand, thermodynamische
Wahrscheinlichkeit, Stirling-Formel, wahrscheinlichster Makrozustand, Scharmittel,
Zeitmittel, Entartung, Fermionen, Bosonen, Lagrange-Multiplikatoren, Maxwell-Boltzmann,
Fermi-Dirac, Bose-Einstein Statistik, Boltzmann-Verteilung, molekulare
Zustandssumme, T-Abhängigkeit, harmonischer Oszillator, Gesamtenergieberechnung
- Kanonische Gesamtheit (6.5.)
Mikrokanonische, kanonische und großkanonische Gesamtheiten, Ensemblepostulat, kanonische
Zustandssumme, innere Energie, Breite der Verteilung, unterscheidbare Subsysteme ohne
Wechselwirkung, ununterscheidbare Subsysteme ohne Wechselwirkung
- Berechnung von Zustandssummen (13.5.)
Separation von Energie und Zustandssumme, Translationszustandssumme, Integralnäherung,
Rotationszustandssumme, Symmetriezahl, charakteristische Temperatur,
Schwingungszustandssumme, elektronische Zustandssumme, praktische Formeln, Beispiele
- Molwärmen von Gasen (20.5.)
(direkter Bezug zu Kap. 3 der Vorlesung)
Translationsbeitrag, Gleichverteilungssatz, Rotationsbeitrag, T-Abhängigkeit,
Schwingungsbeitrag, zweiatomige Moleküle, Abweichungen
- Statistische Entropie (27.5.)
(direkter Bezug zu Kap. 2 der Vorlesung)
Statistischer Ansatz für die Entropie, Überprüfung der Maximaleigenschaft, Temperatur,
Interpretation, dritter Hauptsatz, Entropie und kanonische Zustandssumme,
Sackur-Tetrode-Gleichung, Absolutberechnung von Gasentropien
- Thermodynamische Anwendungen (10.6.)
(direkter Bezug zu Kap. 4 der Vorlesung)
Berechnung thermodynamischer Potentiale aus der Zustandssumme, chemisches Potential und
chemisches Gleichgewicht, Berechnung eines Dissoziationsgleichgewichts in der Gasphase
- Statistische Thermodynamik von Elektrolytlösungen (24.6.)
(direkter Bezug zu Kap. 7 der Vorlesung)
Ion-Ion-Wechselwirkung, Debye-Hückel-Theorie, konzentrierte Elektrolytlösungen
- Statistische Thermodynamik idealer Kristalle (8.7.)
(direkter Bezug zu Kap. 3 der Vorlesung)
Einstein-Modell, charakteristische Temperatur, Molwärme, Kurvendiskussion, Vergleich mit
Experiment, Debye-Modell, Grenzfrequenz, T 3-Gesetz
Literaturempfehlung
Ein gutes allgemeines Lehrbuch der Physikalischen Chemie (Atkins,
Berry/Rice/Ross,
McQuarrie/Simon, Wedler, Alberty/Silbey, Moore/Hummel, ...) reicht auch hier
mehrheitlich aus.
Bei angelsächsischen Autoren ist in der Regel die englischsprachige
Originalausgabe zu empfehlen (Preis, Aktualität, wichtige Sprachübung).
Einige Monographien zur
statistischen Thermodynamik (subjektive Auswahl): Widom, Statistical
Mechanics - A concise introduction for chemists, Cambridge University Press, 2002,
ISBN-13: 978-0521009669; Chandler, Introduction to Modern Statistical
Mechanics, Oxford
University Press, 1987, ISBN 0-19-504277-8; Bowley-Sanchez, Introductory
Statistical Mechanics, Oxford Science Publications 1996, ISBN 0-19-851793-9
(relativ einfach);
Garrod, Statistical Mechanics and Thermodynamics, Oxford University
Press 1995,
ISBN 0-19-508523-X (sehr physikalisch orientiert, mit einigen Fortran- und
Graphikprogrammen zu einfachen Simulationen)
Zusatzseminar (SoSe 2011)
Ergänzend zur Vorlesung, zum Proseminar und zu den Übungen wird ein (freiwilliges)
einstündiges Zusatzseminar direkt nach den Übungen angeboten,
in dem der Lehrstoff in kleinen Gruppen von den Studierenden aktiv diskutiert
wird. Moderiert wird das Zusatzseminar von aus Studienbeiträgen finanzierten
Assistenten.
Es handelt sich aber ausdrücklich um eine Veranstaltung, bei der die
Studierenden die aktive Rolle übernehmen.
Klausur
Klausur vom 22.07.2011 (PDF)
Ein früheres Klausurbeispiel aus 2007
(PDF)
Weitere Auskünfte
msuhm@gwdg.de
Suhm group homepage
Revised 2011-07-27