PC I (SS 2003)
Vorlesung: Chemisches und elektrochemisches Gleichgewicht
Die Vorlesung (2 SWS) knüpft an die Vorlesung
PC 0 im WS 2002/03 an. Ziel ist die Vermittlung der wichtigsten Grundlagen der
klassischen Thermodynamik, aber auch der Fähigkeit, mit thermodynamischen Tabellenwerken
selbständig arbeiten zu können.
- Erster Hauptsatz der Thermodynamik (Ergänzungen und Wiederholung)
1.1. Expansion von Gasen
Ideale Gase: freie Expansion ins Vakuum, zweites Gesetz von Gay-Lussac, isotherme
reversible Expansion, maximale Arbeit, adiabatische Expansion gegen äusseren Druck,
adiabatisch-reversible Expansion, Poissonsche Adiabatengleichung, Adiabaten und
Isothermen; reale Gase: freie Expansion ins Vakuum, Experiment von Joule, isenthalpe
Expansion, Joule-Thomson-Experiment, Joule-Thomson-Koeffizient, Lindeverfahren
- Zweiter Hauptsatz der Thermodynamik
Begrenzte Aussagekraft des ersten Hauptsatzes, Richtung von chemischen Prozessen
2.1. Formulierungen des zweiten Hauptsatzes
Spontane Vorgänge, Irreversibilität, perpetuum mobile zweiter Art, Entropie als
Zustandsfunktion, Entropiedefinition
2.2. Entropieänderungen bei thermodynamischen Prozessen
Isotherme reversible Expansion, irreversible Expansion ins Vakuum, Erwärmung eines Gases,
Phasenübergänge
2.3. Wärmekraftmaschinen
Carnotscher Wirkungsgrad, Carnotscher Kreisprozess, ideales Gas und reale Systeme,
thermodynamische Temperaturskala
- Kombination von erstem und zweitem Hauptsatz
Aussagen über isolierte und nicht-isolierte Systeme, Clausiussche Ungleichung
3.1. Thermodynamische Gleichgewichtsbedingungen
Helmholtz- oder freie Energie A, maximale isotherme Nutzarbeit, Gibbsenergie oder
freie Enthalpie G, maximale isotherm-isobare Nutzarbeit
3.2. Fundamentalgleichungen der Thermodynamik und thermodynamische Potentiale
Energetische Fundamentalgleichung, Maxwell-Beziehungen, thermodynamische Potentiale,
Herleitung offengebliebener thermodynamischer Zusammenhänge
3.3. Temperaturabhängigkeit und dritter Hauptsatz
Molwärmen, Gleichverteilungssatz, Gase, Flüssigkeiten, Festkörper, Regel von
Dulong-Petit, latente Wärmen, Kirchhoffsches Gesetz, Nullpunkt der Energie und der
thermodynamischen Potentiale, Temperaturabhängigkeit der Entropie, Bedeutung von
absoluten Entropien, Beispiel HCl, Nernstsches Wärmetheorem, dritter Hauptsatz,
Triebkraft chemischer Reaktionen aus kalorimetrischen Messungen, Planck-Funktion,
Gibbs-Helmholtz-Gleichung
3.4. Druckabhängigkeit
Druckabhängigkeit der Gibbsenergie, kondensierte Materie, Gase, chemisches Potential,
reale Gase, Fugazität, Fugazitätskoeffizient, Standardzustand als hypothetischer Zustand
3.5. Stoffmengenabhängigkeit
Offene Systeme, Erweiterung der Fundamentalgleichungen, Reaktionslaufzahl,
Gleichgewichtsbedingung für chemische Reaktionen
- Chemisches Gleichgewicht in der Gasphase
Massenwirkungsgesetz, Gleichgewichtskonstante
4.1. Berechnung von Gleichgewichtszusammensetzungen
Stoffbilanzen, Kp, Kf, Kc, Kx
4.2. Berechnung von Gleichgewichtskonstanten
Tabellenwerke, Referenzzustand, JANAF-Tabellen, Beispiele
4.3. Gleichgewichtsbeeinflussung
Katalysator, Temperatur, Druck, Prinzip des kleinsten Zwanges
- Phasengleichgewicht in Einstoffsystemen
5.1. Stabilität von Phasen
Gleichgewichtskriterium, metastabile Phasen, μ/T-Diagramm, Tripelpunkt
5.2. Klassifikation von Phasenübergängen
Phasenübergang 1. Ordnung, Cp-Singularität, Phasenübergang 2.
Ordnung nach Ehrenfest und nach Tisza (λ-Übergang), Beispiele
5.3. Koexistenzkurven
Clapeyron-Gleichung, Clausius-Clapeyron, Pictet-Trouton, Ausnahmen
5.4. Grenzflächenthermodynamik
Erweiterung der Fundamentalgleichungen, Grenzflächenspannung, Oberflächenspannung
5.5. Dampfdruck kleiner Tröpfchen
Kelvingleichung, Übersättigung
- Phasengleichgewicht in Mehrstoffsystemen
6.1. Partielle molare Größen
Partielles Molvolumen, Satz von Euler, Gibbs-Duhem-Beziehung, partielle molare
Gibbsenergie, Maxwell-Beziehungen
6.2. Thermodynamik von Mischungen
Freie Mischungsenthalpie, Mischungsentropie, ideale Mischung, reale Mischung,
Exzessgrößen
6.3. Bezugszustände für das chemische Potential
Chemisches Standardpotential, Konzentrationsterm, Realkorrektur, Aktivitätskoeffizient,
Aktivität, Bezugszustand, Konventionen, Reinstoff und unendliche Verdünnung,
Konzentrationsskalen, Einfluss auf das chemische Gleichgewicht
6.4. Kolligative Eigenschaften
Osmose, van't Hoff-Gleichung, Virialentwicklung
6.5. Phasenregel von Gibbs
Komponenten, Freiheitsgrade, Tripel- und Quadrupelpunkte, Beispiele
6.6. Phasendiagramme
Entmischung von Flüssigkeiten, kongruent schmelzende Verbindungen, ternäre Systeme,
Dreieckskoordinaten, Nernstscher Verteilungssatz
- Elektrochemische Zellen
7.1. Terminologie und Typen
Galvanische Zellen, Elektrolysezellen, Halbzellen mit und ohne Überführung
7.2. Elektrochemisches Potential
Elektromotorische Kraft, elektrochemisches Gleichgewicht, Vorzeichenkonventionen
7.3. Nernstsche Gleichung und Spannungsreihe
Standardwasserstoffelektrode, Mehrelektronenübergänge, Konzentrationsketten
7.4. Anwendungen
Batterien, Akkumulatoren, Brennstoffzellen, pH-Elektroden, elektrochemische Synthesen
- Chemisches Gleichgewicht in Mehrphasensystemen
Phasengleichgewicht und chemisches Gleichgewicht, Überbestimmtheit
8.1. Heterogene fest-gas Reaktionen
Technische Bedeutung, Beispiel Boudouard-Gleichgewicht, Kalkbrennen, Berechnung der
Gleichgewichtskonstante
8.2. Heterogene fest-flüssig Reaktionen
Auflösung eines Festkörpers, Löslichkeitsprodukt
- Systematische Thermodynamik und Rückblick
9.1. Postulate
Gleichgewichtszustände, Charakterisierung durch extensive Zustandsgrößen,
Entropiemaximumprinzip, Entropie- und Energieform der Fundamentalgleichung, U(S)-Verlauf
9.2. Intensive Größen und Gleichgewicht
Potentiale, thermisches, mechanisches und chemisches Gleichgewicht, energetische
Fundamentalgleichung in differentieller und integraler Form, Gibbs-Duhem-Beziehung
9.3. Legendre-Transformation
Intensive Grössen als abhängige Variablen, Informationsverlust bei Differentialbildung,
Legendre-Transformation, Minimal- und Maximalprinzipien für Gleichgewicht
9.4. Maxwell-Beziehungen
Satz von Schwarz, mnemotechnisches Diagramm
9.5. Phasen- und Reaktionsgleichgewichte
Analogien zwischen Stoffaustausch und Stoffumwandlung
Literaturempfehlung
Ein gutes allgemeines Lehrbuch der Physikalischen Chemie (Atkins, Berry/Rice/Ross,
McQuarrie/Simon, Wedler, Alberty/Silbey, Moore/Hummel, ...) reicht mehrheitlich aus. Bei
angelsächsischen Autoren ist in der Regel die englischsprachige Originalausgabe zu
empfehlen (Preis, Aktualität, wichtige Sprachübung). Einige Monographien zur
Thermodynamik (subjektive Auswahl): Rau/Rau, Chemische Gleichgewichtsthermodynamik,
Vieweg, 1995, ISBN 3-528-06503-6 (anschauliche Einführung, besonders empfehlenswert, wenn
man Schwierigkeiten mit dem Stoff hat); Reich, Thermodynamik, VCH, 1993, ISBN
3-527-28266-1 (anschauliche Einführung); Weingärtner, Chemische Thermodynamik,
ISBN 3-519-03534-0 (kompakte und einfache Einführung, auch zum Wiederholen des
Vorlesungsstoffes gut geeignet); Denbigh, Prinzipien des chemischen Gleichgewichts,
Steinkopff, 1974 (Klassiker, evtl. vergriffen); Kortüm/Lachmann, Einführung in die
chemische Thermodynamik, 1981, VCH, ISBN 3-527-25881-7; Sommerfeld, Thermodynamik
und Statistik, 1988, Harri Deutsch, ISBN 3-87144-378-6 (Klassiker, auch für das
Proseminar); Callen, Thermodynamics and an Introduction to Thermostatistics,
Wiley, 2. Auflage nur hardcover und relativ teuer (ausgezeichnete sytematische
Einführung, besonders bei vertiefter Beschäftigung mit den grundlegenden
Zusammenhängen); und als Repetitorium: W. Schneider, Repetitorium Thermodynamik,
1996, ISBN 3-486-23844-2
PS I (SS 2003)
Proseminar: Grundlagen der Statistischen Thermodynamik
Das Proseminar (1 SWS, direkt vor der Vorlesung) ergänzt und erklärt die Phänomene
der klassischen Thermodynamik durch molekulare, statistische Betrachtungen und
Berechnungen. Ziel ist die Vorhersage von stofflichen Gleichgewichten aus spektroskopisch
messbaren Moleküleigenschaften. Proseminar und Vorlesung bilden eine Einheit und es
werden zahlreiche Querbezüge hergestellt.
- Energieniveaus der Moleküle
Translation, Rotation, Schwingung, elektronische Anregung, relative Größenordnung
- Verteilungen
Verteilungsfunktion, Würfelanalogie, Mikrozustand, Makrozustand, thermodynamische
Wahrscheinlichkeit, Stirling-Formel, wahrscheinlichster Makrozustand, Scharmittel,
Zeitmittel, Entartung, Fermionen, Bosonen, Lagrange-Multiplikatoren, Maxwell-Boltzmann,
Fermi-Dirac, Bose-Einstein Statistik, Boltzmann-Verteilung, molekulare Zustandssumme, T-Abhängigkeit,
harmonischer Oszillator, Gesamtenergieberechnung
- Kanonische Gesamtheit
Mikrokanonische, kanonische und großkanonische Gesamtheiten, Ensemblepostulat, kanonische
Zustandssumme, innere Energie, Breite der Verteilung, unterscheidbare Subsysteme ohne
Wechselwirkung, ununterscheidbare Subsysteme ohne Wechselwirkung
- Berechnung von Zustandssummen
Separation von Energie und Zustandssumme, Translationszustandssumme, Integralnäherung,
Rotationszustandssumme, Symmetriezahl, charakteristische Temperatur,
Schwingungszustandssumme, elektronische Zustandssumme, praktische Formeln, Beispiele
- Molwärmen von Gasen
(direkter Bezug zu Kap. 3 von PC I)
Translationsbeitrag, Gleichverteilungssatz, Rotationsbeitrag, T-Abhängigkeit,
Schwingungsbeitrag, zweiatomige Moleküle, Abweichungen
- Statistische Entropie
(direkter Bezug zu Kap. 2 von PC I)
Statistischer Ansatz für die Entropie, Überprüfung der Maximaleigenschaft, Temperatur,
Interpretation, dritter Hauptsatz, Entropie und kanonische Zustandssumme,
Sackur-Tetrode-Gleichung, Absolutberechnung von Gasentropien
- Thermodynamische Anwendungen
(direkter Bezug zu Kap. 4 von PC I)
Berechnung thermodynamischer Potentiale aus der Zustandssumme, chemisches Potential und
chemisches Gleichgewicht, Berechnung eines Dissoziationsgleichgewichts in der Gasphase
- Statistische Thermodynamik idealer Kristalle
(direkter Bezug zu Kap. 3 von PC I)
Einstein-Modell, charakteristische Temperatur, Molwärme, Kurvendiskussion, Vergleich mit
Experiment, Debye-Modell, Grenzfrequenz, T 3-Gesetz
- Statistische Thermodynamik von Elektrolytlösungen
(direkter Bezug zu Kap. 7 von PC I)
Ion-Ion-Wechselwirkung, Debye-Hückel-Theorie, konzentrierte Elektrolytlösungen
- Statistische Thermodynamik von Metallen
(direkter Bezug zu Kap. 3 von PC I)
Drude-Modell, Fermi-Dirac-Statistik, Fermienergie, Molwärmebeitrag, de
Broglie-Wellenlänge, Brillouinzonen, Energiebänder
Literaturempfehlung
Ein gutes allgemeines Lehrbuch der Physikalischen Chemie (Atkins, Berry/Rice/Ross,
McQuarrie/Simon, Wedler, Alberty/Silbey, Moore/Hummel, ...) reicht auch hier mehrheitlich
aus. Bei angelsächsischen Autoren ist in der Regel die englischsprachige Originalausgabe
zu empfehlen (Preis, Aktualität, wichtige Sprachübung). Einige Monographien zur
statistischen Thermodynamik (subjektive Auswahl): Widom, Statistical Mechanics - A
concise introduction for chemists, Cambridge University Press, 2002, ISBN
0-521-00966-9; Chandler, Introduction to Modern Statistical Mechanics, Oxford
University Press, 1987, ISBN 0-19-504277-8; Bowley-Sanchez, Introductory Statistical
Mechanics, Oxford Science Publications 1996, ISBN 0-19-851793-9 (relativ einfach);
Garrod, Statistical Mechanics and Thermodynamics, Oxford University Press 1995,
ISBN 0-19-508523-X (sehr physikalisch orientiert, mit einigen Fortran- und
Graphikprogrammen zu einfachen Simulationen)
Zusatzseminar (SS 2003)
Auf Wunsch der Studierenden wird ergänzend zur Vorlesung, zum Proseminar und zu den
Übungen versuchsweise ein (freiwilliges) einstündiges Zusatzseminar angeboten (Termin
wird in der ersten Vorlesungsstunde vereinbart), in dem der Vorlesungsstoff anhand von
einfachen Übungsaufgaben und Fragen von den Studierenden aktiv bearbeitet und diskutiert
wird. Anwesend ist jeweils auch ein Assistent und/oder der Dozent, um bei Problemen
weiterhelfen zu können. Es handelt sich aber ausdrücklich um eine Veranstaltung, bei der
die Studierenden die aktive Rolle übernehmen.
Klausuraufgaben (MS Word DOC
format)
Nachklausur
Termin der Nachklausur: Mi. 15.10.2003, 9.00 Uhr, Walther-Nernst-Hörsaal (4)
Weitere Auskünfte
msuhm@gwdg.de
Suhm group homepage
Revised 2008-10-28